„Lass auch was mit Streaming machen.“

So muss es 2020 vielen Gemeinden, Projekten und Vereinen ergangen sein, die eigentlich Events oder Freizeiten geplant hatten.

Wir haben uns in der frühen Corona-Zeit (Mitte April 2020) unter die Streamer begeben. Wie wir das Ganze realisiert haben, möchte ich im Folgenden festhalten.

Die Technik

Wir waren für ein schnelles Streaming-Projekt schon verhältnismäßig groß unterwegs. Wir brauchten aber etwas mehr Flexibilität und haben auch einen größeren Personenkreis erwartet, als ein „normaler“ sonntäglicher Gemeindegottesdienst.

Wir haben mit einem Hardware-Encoder (AJA Helo) gestreamt. Genauso gut (und hatten wir als Backup) hätten wir einfach OBS als Software-Encoder nutzen können. Der jeweilige Encoder streamt dann (z.B. per RTMP) zur jeweiligen Plattform (bei uns war es Youtube).

Wir hatten hier richtige Videokameras mit SDI oder HDMI Ausgang, haben dann alles konvertiert und in einem Hardware-Mischer mit Bedienpanel gemischt. Dort haben wir auch Lyrics rein gekeyed und MAZen dazu gemischt.

Sound

Um den Ton hat sich Benjamin von Tonleistung gekümmert. Mikrofone hat er dabei diverse genutzt. Mit DPA-Headsets war er bei den Moderatoren gut aufgestellt. Er hat verschiedene Mixe rausgegeben (Stream, Studio-Sound, Abhörmonitore) und war dadurch sehr flexibel.

Weil wir wussten, dass viele Zuschauer auf ihren Smartphones oder PC-Lautsprechern den Stream verfolgen, hat Beni sich einen Tipp für den Bass reingeholt: Auf dem Stream-Sound hat er ein bisschen Disstortion auf den Bass gelegt um einige Obertöne raus zu kitzeln. Damit wurde der Bass auf den kleinen Lautsprechern der Geräte besser hörbar.

Licht

Wir haben seit einiger Zeit ein eigenes Lichtset bei Adonia und konnten mit den 8 Arri T1 unser Studio ziemlich gut ausleuchten. Um das Set-Up hat sich Tobias gekümmert. Mit einigen Farbfolien haben wir die Temperatur auf Tageslicht gebracht und mit Torblenden die Streuung eingegrenzt. Effektlichter im Hintergrund waren LED-Bars oder einfache LED-Flood Panels.

Einspieler

Um die Einspieler habe ich mich selber gekümmert. Damit konnte ich den Ablauf im Blick haben, Kommandos geben und hatte gleichzeitig die Übersicht auf meinem Screen, welche Medien schon bereit sind.

Für den Stream gingen die meisten Einspieler per ProPresenter 7 raus. Da die Version 7 erst wenige Wochen zuvor releast worden war, konnte ich noch manch einen Bug feststellen und mir hat die ein oder andere Funktion gefehlt. Aber im Gesamten war ich sehr zufrieden mit der Wahl und habe vor allem Freude an den vielen Layern (Media, Slide, Announcement, Props, Message) gehabt. Besonders empfehlen kann ich auch die Einstellung „Use Alt-Click to Suppress Auto Start Video“. Damit kann man sich wunderbar die Videos bereit legen und dann mit der Leertaste abfeuern.

Screen-Captures (bspw. um unsere interne Plattform zu erklären) und besondere Einblendungen (Live-Umfragen auf Webplattform) habe ich am gleichen Rechner mit OBS realisiert.

Die Wahl der Video-Plattform

Wir haben viel hin- und her überlegt, welche Streaming-Plattform für uns am geeignetsten wäre. Da wir den Stream in unser internes Portal (www.meinadonia.de) eingebettet haben, wollten wir dort eine einfache und gute Einbindung. Damit war Vimeo ein Favorit, allerdings nicht ohne Zusatzkosten. Um unsere Ausgaben gering zu halten, haben wir dann bei sehr wenigen Nachteilen gegenüber Vimeo, doch YouTube gewählt. Hier haben wir einen Kanal mit entsprechender Reichweite, haben viele Möglichkeiten weitere Videos zu platzieren (wir haben parallel zu bestimmten Zeitpunkten auch Video-Workshops OnDemand veröffentlicht) und hatten keinerlei Zusatzkosten.

Und falls du darüber nachdenkst…

…ob du auch einen Livestream starten solltest, oder die Videos OnDemand veröffentlichen willst, noch ein paar Hinweise:

Das Live-Streaming benötigt auch zusätzliche Ressourcen und Abhängigkeiten die man sich „sparen“ kann, wenn man vorher aufzeichnet und dann das Video zu einer bestimmten Zeit frei gibt.

Letztendlich braucht man z.B. als Gemeinde „nur“ ein paar Kameras die das Signal ausgeben und eine Capture-Card um das Signal in den Rechner zu bekommen. Mischen, Einspieler und Einblendungen kann man sehr komfortabel per OBS machen.

Was wohl sehr komfortabel ist und was ich auch erst bei HOME kennengelernt habe ist NewTeks NDI Standard damit kannst du quasi auch Smartphones, Tablets etc. als IP-Kameras nutzen und in OBS als Kamera einbinden. Die Latenzen sind bei NDI verschwindend gering und beim Streaming auch nicht so relevant (sofern alle Kameras gleich takten), weil der Zuschauer den Stream so oder so mindestens 15 Sekunden zeitversetzt sieht.

Songbeamer bietet sogar inzwischen eine Möglichkeit die Texte in einem Textfile auszugeben. Ob das auch über nen Server mit geringen Latenzen läuft bleibt noch zu testen.

Résumé

Hätte man es noch einfacher machen können?

Ja, hätte man!

Wir hätten einfach unsere Tablets oder Smartphones nehmen können, alle per NDI in einem Netzwerk mit OBS verknüpfen und streamen können. Fertig. Wie stabil das gewesen wäre? Kann ich aktuell nicht sagen.

Wir waren froh mit Bildwerk einen Partner gehabt zu haben, der mich in der Planung unterstützt hat und uns mit einigem Material und ner Menge Man-Power ausgeholfen hat. Damit konnten wir für unsere paar Tausende Zuschauer ein stabiles und rundes Programm liefern.

Besonders beeindruckt hat mich auch die Fülle an Workshops und Inhalten die in kürzester Zeit zusammen kam. Es war genial zu sehen, wie viel Potential in Menschen steckt und wie sehr es Ihnen auf dem Herzen brennt, dieses aus Jugendlichen hervorzurufen.